Ein bunter Nachmittag in den Bergius-Küchen
Elf Teilnehmende bereiten ihre Arbeitsplätze vor und starten mit der Zubereitung ihrer Gerichte. Mit dabei sind an diesem Nachmittag Sohar Abdou aus Ägypten, Martyna Gruszka aus Polen, Inas Qusini aus Palästina, Homam Kalthoam und Maysaa Jandahli aus Syrien, El Ghalia Manssouri Hamdaoui aus Marokko, Purti Chopra aus Indien, Naz Talayman aus der Türkei, Eduardo Da Silva Ferreira aus Brasilien, Daniel Dubovca aus der Republik Moldau und John Mvula aus der Demokratischen Republik Kongo.
Drei Jurorinnen und ein Juror schauen ihnen dabei über die Schulter: Welche Lebensmittel kommen zum Einsatz? Neben Geschmack und Kreativität legt die Jury auch Wert auf Regionalität, Saisonalität, Bio-Lebensmittel, eine pflanzenbetonte, ausgewogene Ernährung und die Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Mit dabei ist auch David Fischer. Als Fachlehrer und Küchenmeister behält er die elf Köchinnen und Köche im Blick. Sieben von ihnen kennt er aus dem Unterricht – sie sind Auszubildende an der Bergiusschule. John Mvula bereitet einen Pilz-Kartoffel-Teller mit gegrillten Maiskolben zu. „Ich komme aus der Demokratischen Republik Kongo“, erklärt der Auszubildende aus der Klasse 12KÖ6. „Bei uns wird sehr gerne Gemüse gegrillt.“ Die Erinnerung an gegrillte Kartoffeln und Mais habe ihn zu seinem Wettbewerbsbeitrag inspiriert.
Purti Chopra hat Rajma Chawal zubereitet. Das Gericht aus roten Kidneybohnen und Reis wird im Punjab kräftig gewürzt – und die 22-Jährige hat beschlossen, mit den Gewürzen nicht zu sparen. Anke Hügl-Botta, Inklusions-Projektleiterin und Ausbilderin beim EVKJ, dem Evangelischen Verein für Kinder- und Jugendhilfe Rhein-Main e. V., drückt an diesem Tag besonders Daniel Dubovca die Daumen. „Wir hatten intern eine kleine Challenge“, berichtet sie. „Daniels provenzalische Ratatouille hat allen besonders gut geschmeckt.“ Mit viel Leidenschaft habe sich Daniel dann auf den Wettbewerb vorbereitet.
Martyna Gruszka präsentiert beim ChangeCup ein typisches Weihnachtsessen aus Polen. „Ich komme aus der Tatry, das ist nicht weit von Krakau entfernt“, berichtet die jüngste Teilnehmerin. „Dort isst man zu Weihnachten kein Fleisch. Meine Uszka mit Ziegenkäse und Roter Bete sind eine Interpretation der klassischen polnischen Nudeltaschen“, erläutert die angehende Köchin aus der Klasse 10KÖ3. Naz Talayman steht vor der vierköpfigen Jury und präsentiert ihr Gericht „Die Farben Anatoliens“. So hat die 20-Jährige ihre Kreation genannt: Kürbisorange, Petersiliengrün, zartes Hummusgelb und Granatapfelrot leuchten um die Wette. „Schon als Kind habe ich Granatäpfel geliebt und Hummus sowieso“, schwärmt die Schülerin aus der Klasse 11KÖ2.
Ein noch bunterer Abend in der Bergius-Cafeteria
Alle Gerichte sind zubereitet und verkostet, die Jury hat sich beraten, und nun steht die Siegerehrung kurz bevor. Freunde und Familienangehörige der Teilnehmenden haben sich in der Cafeteria eingefunden. Menschen begrüßen und umarmen sich, es geht fröhlich und entspannt zu. Jennifer Wiegard vom Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production gGmbH und Sonja Steppich, Abteilungsleiterin Nahrung und Köche an der Bergiusschule, begrüßen die zahlreichen Gäste. „Wir freuen uns immer wieder darüber, dass unsere Schülerinnen und Schüler mit ihren unterschiedlichen Expertisen zu uns an die Bergiusschule kommen“, sagt Sonja Steppich. „Und heute haben wir die wunderbare Gelegenheit, die Expertisen aus so vielen Ländern zu erleben.“ Alle Teilnehmenden hätten an diesem Tag zahlreiche Geschichten mitgebracht, Kreativität bewiesen und köstliche, nachhaltige
Gerichte präsentiert. „Das war heute ein genussvolles Erleben und ein fairer, geradezu liebevoller Wettbewerb“, fügt Jennifer Wiegard hinzu.
Qualifiziert für das europäische Finale
Gewonnen haben an diesem Tag alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Für drei von ihnen geht es bei der ChangeCup Challenge noch weiter: Martyna Gruszka (3. Platz), Inas Qusini (2. Platz) und Naz Talayman (1. Platz) haben sich für das europäische Finale qualifiziert. Im Frühjahr 2027 treten die Gewinnerinnen und Gewinner der Regionalturniere aus Deutschland, Griechenland, Italien und Spanien gegeneinander an. Und ganz zum Schluss wird es dann auch noch hessisch: Das Team aus Hörenden und Gehörlosen vom EVKJ hat für alle Gäste ein Büfett mit lokalen Spezialitäten wie Handkäs und Grüner Soße vorbereitet – vegetarisch, versteht sich.
Text & Fotos Sabine Stubbe













