Mit dem ersten Schaustück nach Stuttgart
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Ein Schaustück ist laut Duden ein Gegenstand, der wegen seiner Kostbarkeit oder Seltenheit nur zum Ansehen bestimmt ist. Und mit einem solchen haben sich Tammy und Anna gestern Morgen auf dem Weg zur Intergastra nach Stuttgart gemacht.

Konditoren-Wettbewerb zum Thema „Casino“
Die beiden Azubis hatten im Internet entdeckt, dass der Landesinnungsverband des Konditorenhandwerks Baden-Württemberg auf der Intergastra einen Wettbewerb zum Thema Casino veranstaltet. „Und da dachten wir spontan: Dazu melden wir uns an!“, erzählt Anna (21), die zusammen mit Tammy (25) die Klasse 12CO an der Bergiusschule besucht.

Anna und Tammy haben sich im ersten Ausbildungsjahr zu Konditorin kennengelernt und sich auf Anhieb gut verstanden. Seitdem sind sie ein echtes „Dreamteam“. Ein Schaustück aus Kuvertüre hatten die beiden Azubis noch nie angefertigt. „Und genau das hat uns gereizt“, erklärt Anna. Dazu kam, dass sie das Thema Casino auch in ihrer Abschlussprüfung im Frühsommer erwartet.

Ideenfindung in der Küche
Die Idee für die Form ihres zirka 50 Zentimeter großen Schaustücks kam den beiden in Annas Küche. Am Küchentisch sitzend hatten sie lange bei mehreren Tassen Kaffee überlegt, als Anna – des langen Sitzens überdrüssig geworden – plötzlich aufsprang und ihre Arme über dem Kopf zusammenschlug. Das war’s: Ein Pik! Die Form stand fest und die beiden machten sich an die Arbeit.

Vorbereitungen kosten Nerven
„Am Freitagnachmittag haben wir unsere Vorbereitungen abgeschlossen“, sagt Tammy. „Die einzelnen Bestandteile unseres Schaustücks heil nach Stuttgart zu transportieren, war dann nochmal eine echte Herausforderung,“ verrät sie. Auf der Intergastra hatten die beiden Azubis dann genau zwei Stunden Zeit für die Montage-Arbeiten und 60 x 60 Zentimeter Platz zum Präsentieren ihres Kuvertüre-Kunstwerks. Während des Zusammenbauens wurden sie von Messebesuchenden beobachtet, häufig fotografiert und sie mussten viele Fragen beantworten. „Das war alles sehr aufregend und es gab wahnsinnig viele Eindrücke, die auf uns einrieselten“, beschreibt Anna. Gut, dass die beiden eine klare Aufteilung beim Aufbau ihres Schaustückes hatten: Während Tammy die Einzelteile im perfekten Winkel an das Schaustück hielt, übernahm Anna das Kleben und Fixieren. „Doch bereits ganz zu Beginn gab’s ein Problem“, berichtet Tammy. „Eine große Kuvertüre-Karte ist umgekippt“.

Obwohl die Nerven der beiden jungen Frauen schon etwas angespannt waren, sollte ihre Geduld wenig später auf eine noch größere Probe gestellt werden. „Als wir unser Dach auf der Zwischenebene kleben wollten, haben wir gemerkt, dass es komplett schief war“, schildert Anna die brenzlige Situation. „Also hat Tammy angefangen zu schnitzen, um so die Karte aus Kuvertüre etwas zu verkleinern“, ergänzt sie. Als dann plötzlich mit lautem Geräusch der erste Pik-Bogen abfiel und in viele Einzelteile zerbrach, waren Annas und Tammys Nerven komplett am Ende…

Anna und Tammy auf dem Siegerpodest
Doch die beiden gaben nicht auf und hatten Glück, dass sie ihr Schaustück trotz der großen Anspannung rechtzeitig fertigstellen konnten. „Doch das Schlimmste stand uns da noch bevor“, verrät Anna. Das Schaustück musste vom Arbeitsplatz zum Podest getragen werden, wo die Messebesuchenden die Schaustücke begutachtet konnten.  „Tammy erklärte sich bereit, das Schaustück zu tragen und hat das souverän gemeistert“, sagt Anna. „Nichts ging kaputt und als das Schaustück stand, waren wir unheimlich erleichtert“, ergänzt ihre Teampartnerin.

Das Werk aus Kuvertüre überzeugte auch die Juroren, die ihr Augenmerk sowohl auf die Materialvielfalt und Verarbeitung als auch auf den Schwierigkeitsgrad und Gesamteindruck der Schaustücke richteten. Anna und Tammy belegten mit ihrem Schoko-Pik mit integrierter Herz-, Kreuz- und Karo-Torte den zweiten Platz. Über ihren Erfolg in Stuttgart freuen sich die beiden natürlich sehr. „Aber auch, wenn wir ohne Medaillengewinn nur dabei gewesen wären, wär’s eine gute Erfahrung für uns gewesen“, ist sich Anna sicher. „Ganz genau“, stimmt Tammy zu. Die beiden werfen sich einen Blick zu und lachen – man darf gespannt sein, welche Ideen sie als nächstes verwirklichen.

Fotos Anna Titze, Tammy Herrmann

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