Überlebende beim Untergang der Titanic

Mit Teamwork gelingt vieles

Eine Luxuskabine mit großen Panoramafenstern, das Badezimmer mit goldenen Wasserhähnen und ein Buffet, das keine Wünsche offen lässt. Doch dann plötzlich: Die Havarie mit einem Eisberg. Der Luxusliner beginnt schnell zu sinken.

Mit ein bisschen Fantasie verwandelt sich eine kleine Lichtung im Wald bei Grävenwiesbach im Taunus in eine Kreuzfahrtszenerie à la Titanic. Mit an Bord: Die Schülerinnen und Schüler der 11BFS samt Klassenlehrerin und Schulsozialpädagogen. Ihre Aufgabe? Die Rettung aller vom sinkenden Schiff.

Soweit die Vorstellung. In der Realität stehen die Jugendlichen im Halbkreis aus halb morschen Stöcken, die am Boden liegen (die Reling). Vor ihnen baumelt zum Greifen nahe, aber dennoch weiter als jede Armlänge entfernt, ein Seil mit einer Schlaufe von einem Baum (dem Mast der Titanic) und ein paar Meter entfernt fünf Autoreifen (die Rettungsboote) auf dem Boden (dem tosenden Atlantik).

Klaus Siepenkötter, Erlebnispädagoge und Diplom Sozialarbeiter, erklärt die erste Teambuildingaufgabe des Tages: „Alle sollen gerettet werden. Jeder muss  den „Atlantik“ mithilfe des Seils überwinden und die „Rettungsboote“ erreichen. Keine Hilfsmittel, als die, die man am Leibe trägt,  sind erlaubt. Kein Fuß darf den Boden berühren.“ Wird eine Regel verletzt, hat die Gruppe verloren und die Aufgabe bleibt ungelöst.

Schnell wird allen klar: Gut zuhören, Regeln einhalten, kreative Ideen entwickeln, anderen Vertrauen schenken, ein bisschen Mut und vor allem Fairness gehören dazu, wenn die Gruppe erfolgreich sein will.

So meistern die Jugendlichen an diesem Tag nicht nur, die Titanic lebend zu verlassen, sondern schaffen es auch, sicher auf einen riesigen Öltanker zu gelangen. Nach der Mittagspause überstehen sie den Angriff wilder Stiere in einem spanisch anmutenden Stierkampf ebenso, wie ihnen der gemeinsame Ausbruch von einer Geflügelfarm gelingt. Zum Abschluss trauen sie sich sogar über eine wackelige Leiter zu laufen, die einen Meter über dem Waldboden „schwebt“, aber von allen anderen Mitschülerinnen und Schülern sicher gehalten wird.

Nach langem Fußmarsch sitzen später alle wieder im Zug Richtung Frankfurt. Es ist ziemlich still. Ein Tag im Wald macht müde und auch irgendwie zufrieden. Vielleicht denkt der eine oder andere über das nach, was die Klasse heute zusammen erlebt hat. Nathalie (18) bringt es, kurz bevor die Frankfurter Skyline am Horizont auftaucht, auf den Punkt: „Gemeinsam sind wir stark“.