Geschichte der Bergiusschule

1908 von Oberbürgermeister Adickes eingeweiht, kann die Bergiusschule als die Mutter aller beruflichen Schulen Frankfurts bezeichnet werden. Als so genannte Städtische obligatorische Fortbildungsschule wurde sie in Konkurrenz zu bestehenden Schulen handwerklicher und kaufmännischer Vereine gegründet. Die Preußische Schulgesetzgebung ordnete das berufliche Schulwesen nach Berufsbranchen gegliedert neu und fasste Fortbildungsschulen, Gewerbeschulen und kaufmännische Schulen zusammen. Es entstand im Jahr 1920 die Fachschule V für Nahrungs-, Bekleidungs- und sonstige Berufe. 1927 wurde diese in Städtische Berufsschule V umbenannt. Die bis heute bestehende Grundstruktur der beruflichen Schulen in Frankfurt wurde bereits zu dieser Zeit festgelegt.

Bergiusschule 1908
Bergiusschule 1908

Nach 1945 wurde aus dem, was noch übrig war, die Schule mühsam wieder aufgebaut. Erst 1954 war diedurch den Krieg zerstörte Schule teilweise wieder hergerichtet und wurde 1958 durch einen neuen Westflügel erweitert. Im Jahr 1959 erhielt die Schule ihren heutigen Namen: Bergiusschule. Im Jahr 2008 besuchen 2600 Schülerinnen und Schüler vor allem die Berufsschule im Hotel- und Gaststätten-bereich, im Nahrungsgewerbe oder in Fachklassen für Zahntechniker, Drogisten oder Schuhmacher und Orthopädieschuhmacher. Zudem sind an der Bergiusschule eine Fachoberschule, eine Berufsfachschule, ein Berufsgrundbildungsjahr und ein Bildungsgang zur Berufsvorbereitung im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft vorhanden. Ergänzt wird das Bildungsangebot durch eine Fachschule für Lebensmitteltechnik.

Bergiusschule heute
Bergiusschule heute

100 Jahre Bergiusschule stehen für 100 Jahre berufliche Bildung in staatlicher Verantwortung. Eine Verantwortung, die – in Abgrenzung zu Ausbildung – Selbst- und Mitbestimmungsfähigkeit, Kritikfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Solidaritätsfähigkeit in den Mittelpunkt stellt und nicht unmittelbar an ökonomische Zwecke gebunden ist. Während Ausbildung affirmativen Charakter hat, ist Bildung ein nie abgeschlossener Prozess des Menschwerdens, der immer auf eine positive Veränderung der Gesellschaft hinzielt. Die Mauern des in barocken Formen erstellten Bauwerkes mit Jugendstil- und Renaissance-Elementen könnten bezeugen, ob der Staat seine Verantwortung über die 100 Jahre ernst genommen hat. Wir wissen heute, dass dies leider nicht immer der Fall war.

(aus: Bergiusschule, Festschrift zum 100-jährigen Bestehen, B. Nürnberg, 2008)